Gnade?

Der Titel erklärt sich selbst—am Ende einer Menschentragödie kommen Touristen. Am Ende einer Geschichte, die die Welt sich angeschaut hat, kommen die Leute, die vielleicht überhaupt nichts mit dem Ort, mit der Zeit, mit dem Geschehen zu tun hatten. Jahre und Generationen später verstehen sie dsa auch vielleicht kaum. Das ist ja die geheime Bedeutung des Wortes „Tourist“: ein Tourist ist jemand, der nur da zum „Geniessen“ ist, nicht wirklich zu „Erleben“.

In der gleichen Art, dass ein „Tourist“ eine Geschichte nicht wirklich „erleben“ kann, wird die neuere Generation nie für die Taten im Dritten Reich schuldig sein können. Die neue Generation ist nicht für die vergangenen Taten ihrer Eltern und Großeltern verantwortlich, sondern nur für die Zukunft, weil sie jetzt doch Verantwortung tragen, dass die Vergangenheit sich nicht wiederholt.

touristen

Dass Deutschland und das deutsche Volk als Kollektive immer noch von Manchen für den Holocaust beschuldigt werden, ist ein Fehler. Eine späte Geburt sollte vielleicht dazu dienen, um es einfacher zu machen, zwischen den „Schuldigen“ und den „Unschuldigen“ zu unterscheiden, aber es kann in der Wirklichkeit nicht so schwarz-weiß sein, um zu sehen, wer auf welcher Seite der Geschichte stand und warum.

Leider kann man die Vergangenheit nicht ändern, aber man muss sie verstehen können, oder versuchen zu verstehen. Dafür muss man sich wirklich bemühen, sich in die Lage der Zeitzeugen zu versetzten, oder zumindest gut zuhören. Und wenn man nur „Tourist“ ist, wird man immer daran scheitern.

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Ein Brief an Lazlo

(Wiesler sitzt alleine mit einem Buch in der Hand und ein leeres Blatt Papier vor ihm. Er überlegt sich ruhig, damit er weiß, genau was er schreiben möchte. Es würde ja nicht passen, etwas zu schreiben, ohne dass es genau richtig wäre).

Herr Georg Dreymann,
(Er stoppt, unsicher und streicht die Wörter durch. Er nimmt ein neues Blatt. Pause. Er fängt wieder an und versucht jetzt lockerer zu schreiben…)
Sehr geehrter Herr Dreymann,
(Er stoppt. Pause. Er atmet langsam und streicht die Wörter wieder durch. Neues Blatt. Er blättert durch das Buch und fängt jetzt neu an…)
Hallo,
ich möchte mich bei ̶ ̶ ̶d̶i̶r̶ ̶ ̶ Ihnen für ̶ ̶ ̶ ̶d̶i̶e̶ ̶W̶i̶d̶m̶u̶n̶g̶ ̶ ̶ ̶ die sehr ehrlich erzählte Geschichte Ihres Buches bedanken. Es braucht einen sehr begabten und mutigen Menschen, so klar und brav über eine verwirrende, verworrene Zeit zu schreiben. Ich stimme mit Ihnen überein, dass wir mehr von solchen Menschen wie der Herr Jerska oder Frau Sieland gebraucht haben, also natürlich auch, dass wir immerhin mehr leidenschaftliche Künstler brauchen. Ohne Kunst und die Erzähler dahinter würden wir alltäglichen Menschen die Wahrheit vielleicht nie wieder ins Gesicht schauen können.
Zu der Wahrheit, die wir jetzt erkennen müssen, möchte ich aber auch etwas sagen: wir von der Stasi haben sie nie akzeptieren können. Wir haben sie nie leben lassen können, nicht solange sie den Staat bedrohte. Der Staat war unsere Wahrheit. Ohne ihn kannten wir nichts. Wir hatten eine Wahrheit früher gekannt, aber sie haben wir vergessen müssen, um unsere Arbeit zu erledigen und den Staat zu unterstützen. Es ist nicht, dass wir alle schlechte Menschen waren. Wir hatten eine schlechte Aufgabe, und ohne etwas Anderes in unserm Leben würde sie ein Teil von uns.
Der Staat war alles, verstehen Sie. Der Staat hat die Wahrheit der Kunst getötet, und wir haben die der alltäglichen Menschen kontrolliert.
Aber Ihr alltägliches Leben, Ihre Kunst, hat mir eine kleine Wahrheit gezeigt. Nur eine kleine, private Wahrheit. Und ich konnte mich nicht dazu bringen, sie zu erwürgen. Ich war davon fasziniert. Ich wollte mehr Wahrheit sehen. Ich wollte eine Wahrheit haben, erleben. In der Suche danach habe ich versucht, ein guter Mensch zu sein. Durch Sie war das für mich irgendwie möglich, oder zumindest eine Möglichkeit.
Also, falls Sie je gefragt haben, warum Ihr Stasi-Hund sich nicht wie die Anderen verhalten hat, wissen Sie jetzt.
Danke für die Widmung, die Geschichte, und die Wahrheit.
Mit freundlichen Grüßen,
Ihr HGW XX/7
(Er liest seinen Brief, um sicher zu machen, dass darin es keinen Fehler gibt. Die Szene soll zu Schwarz gehen, ohne zu zeigen, ob er den Brief je abschickt…)

Wunder-voll

(Die Autorin möchte es klar machen, dass der obene Titel ein Wortspiel mit den Wörtern „wunderbar“ und „wundervoll“ sein soll).

Wunder erscheinen für jeden Menschen in verschiedenen Formen. Es gibt schon sieben in der ganzen Welt für jeden Mensch zu genießen, aber die kleineren Wunder, und zwar die „spezifischen“, sind von besonderer Bedeutung.

Schon im Jahre 1945 gab es ein Wunder in Europa: das Ende des Krieges. Deutschland durfte aber nicht mit dem Heilen teilnehmen, und zwar für eine lange Zeit danach nicht. Das Land musste sich für seine vor kurzem begangenen Verbrechen entschuldigen, und die westliche Welt würde das nur als eine komische Art von Leiden akzeptieren: Deutschland und das Volk mussten zuerst zum Verständnis ihrer Taten kommen und dann beginnen, diese fast alleine zu bewältigen. Mit nur wenig Unterstützung (sowohl seelischer als auch finanzieller) von der anderen ehemaligen Kriegsländern musste Deutschland versuchen, ein neues Gleichgewicht zu finden, nicht nur zwischen der stürmischen Kriegszeit und der vorsichtig beobachteten Ruhe, sondern auch zwischen den älteren und jungen Generationen.

wunder von bern  wunder von bern 2

Deshalb war das „Wunder von Bern“ vom Jahre 1954 von so einer besonderen Bedeutung für das deutsche Volk. Fußball war etwas, das Menschen jedes Alters zusammenbrachte. Der Sport bot eine Erleichterung, eine Ablenkung von dem normalen Leben an. Die Weltmeister brachten nicht nur den Preis, sondern auch Hoffnung  mit nach Hause zurück.

katie me game

Im Film gab es auch kleinere, „spezifische“ Wunder, wie zum Beispiel, dass der harte, einsame Spätheimkehrer (der Vater) aus Freude weinen durfte. Der Sieg der deutschen Nationalmannschaft im Endspiel gegen Ungarn und das neue Verständnis zwischen Vater und Sohn beide symbolisieren eine Art von „Wiedergeburt“, oder vielleicht besser gesagt „neuen Anfang“ für Deutschland. Obwohl das Land und das Volk physisch getrennt waren, gab es plötzlich im Jahre 1954 eine Chance, wieder eine „deutsche Identität“ als wertvolles Mitglied der Weltgemeinschaft zu gründen.

Alle Tore von dem ’54 Endspiel gegen Ungarn:

(…und vielleicht darf eine deutsche Weltmeisterschaft auch im Jahren 1974, 1990, und 2014 auch neue Identitäten und Ären mitbringen!)

viertes stern

Wie die Vergangenheit heißt

(Die Szene spielt in dem Wohnzimmer eines kleinen Hauses, wo ein älterer Mann alleine sitzt. Er hat ein ernstes Gesicht aber die Augen sind müde und weich, als ob er weinen wollte aber erlaubte es sich nicht. Er blättert durch einige alten Papiere).
(Von dem Off kommt eine Stimme).
FRAU: ….und weißt du, wenn keiner dich versteht, dann kann auch keiner von dir Rechenschaft fordern…

(Eine junge Frau, die Tochter des Mannes, tritt ein).
TOCHTER: Was liest du da?
MANN: Eine alte Geschichte.
TOCHTER: …Liest du über den Prozess wieder?
MANN: Warum fragst du?
TOCHTER: Da ich merke, dass es dich beschäftigt. Warum ist das dir denn so wichtig?
MANN: …sag mir etwas. Ich will deine Meinung hören. Was würdest du tun, wenn du etwas wüsstest, dass das Ergebnis eines Prozesses ändern würde?
TOCHTER: Also…ich würde etwas sagen, natürlich. Ich würde etwas dem Richter oder dem Staatsanwalt sagen.
MANN: Auch, wenn das, was du wüsstest, dem Verbrecher helfen würde?
TOCHTER: Was hätte der Verbrecher getan?
MANN: Stell dir vor, du weißt etwas, was jemanden von einer schlimmen Strafe retten könnte. Die Person hat zwar eine Strafe verdient, aber nicht lebenslänglich.
TOCHTER: Ja, ich würde bestimmt etwas sagen.
MANN: Stell dir vor, die Person hätte für die Nazis gearbeitet.
TOCHTER: (schweigt)
MANN: Stell dir jetzt vor, die Person könnte selber das sagen, was sie retten würde, aber entscheidet sich, zu schweigen.
TOCHTER: Warum?
MANN: Ah, aus Scham. Oder Angst. Oder Stolz. Ich denke, nur die Person könnte das sicher wissen.
TOCHTER: Also…eine Person hätte für die Nazis gearbeitet. Das heißt, sie hätte bestimmt ein furchtbares Verbrechen begangen, oder wäre eine Mitläuferin gewesen. Warum würde ich dann überhaupt helfen wollen?
MANN: Weil sie nicht alleine in ihrem Verbrechen wäre, und doch nicht die höchste Strafe verdient hätte.
TOCHTER: Und das würde ich wissen, durch das, was ich wüsste…und ich könnte dann vielleicht das Ergebnis ändern und sehen, dass die Person eine gerechte Strafe bekommen würde?
MANN: Richtig.
TOCHTER: …dann…dann, ja. Ja, ich glaube schon. Gerechtigkeit soll…Gerechtigkeit soll doch objektiv sein, oder?
MANN: (leise) Es soll so sein, ja.
TOCHTER: Aber warum hätte die Person selber nichts gesagt? Hast du früher lebenslänglich gesagt? Nur aus Scham! Oder Stolz! Das…nee, Gerechtigkeit muss ja gerecht sein. Jeder Mensch soll fair bestraft werden. Ich denke auch, wir können auch damit etwas Größeres zurecht machen. Äh, irgendwie damit…verstehst du, was ich sagen will? Also, wenn wir so gerecht sein könnten, dass wir auch den rechten Weg einschlagen, wenn es um einen Nazi geht, dann…dann könnten wir etwas beweisen, oder? Irgendwie damit zeigen, dass wir anständig oder recht sind…natürlich muss die Person immer für ihren Tat büßen. Aber was beweist es, wenn eine Verbrecherin eine sehr schlimme Bestrafung bekommt, wenn sie es auch nicht verdient hat?

MANN: Es „beweist“, dass wir die Vergangenheit verdrängen.

TOCHTER: Was für eine Person war das, überhaupt?
MANN: Eine Person, die nicht bis zum Ende ihres Lebens verstanden hat, was sie Anderen angetan hat. Ich glaube, sie wollte es vielleicht nicht bis dann wissen.
TOCHTER: …Weißt du, woran das mich erinnert?
MANN: Woran?
TOCHTER: Deutschland. Nach dem Krieg. Wie passend, dass ein ehemaliger Nazi das alte Deutschland repräsentiert.
MANN: (schweigt)
TOCHTER: Siehste’s nicht? Also die Person könnte Deutschland symbolisieren, das alte Deutschland. Das Deutschland, das sich gegen die Vergangenheit verweigert, weil es sie noch nicht genau versteht, aber sie nicht vergessen darf. Und eine Strafe für lebenslang, also, eine, die in dem Fall nicht gerecht wäre, würde das neue Deutschland symbolisieren…das heutige Deutschland, das die Vergangenheit bewältigen will, aber nicht genau weiß wie…und zwar will sie wegschließen. Verstehst du?
MANN: Und was würdest du symbolisieren, wenn du das, was du über die Person wüsstest, nicht sagtest?
TOCHTER: Ich…ich weiß es nicht. Was würde ich symbolisieren?
MANN: Vielleicht, dass die Welt der Scham der Person zustimmte. Dass du und Andere euch auch schämt, für das, was geschehen ist und das, was du weißt.
TOCHTER: …Ich würde lieber von der Vergangenheit lernen wollen, als darunter leiden. Die Menschen der nächsten Generationen müssen ja arbeiten, um sicher zu machen, dass sie die Vergangenheit nicht vergessen. Sie sollen sich für ihre Vorfahrern schämen, damit sie das, was sie gemacht haben, nicht wiederholen. Aber selber schuldig zu fühlen? Dann kommen wir nie weiter.
MANN: (schweigt, faltet die Papiere langsam zusammen und steht auf) Wollen wir nach draußen gehen? Wir sollen den schönen Tag genießen, gel?
TOCHTER: Äh, kla…was machst du mit den Papieren, Papa?
MANN: Nichts mehr. Na komm, gehen wir…
(Der Mann gibt seiner Tochter die Papiere und sie verlassen die Szene. Die Szene wird schwarz.
Von dem Off kommt wieder die Stimme der Frau).
FRAU: …wenn keiner dich versteht, dann kann auch keiner Rechenschaft von mir fordern. Aber die Toten können es. Sie verstehen. Dafür müssen sie gar nicht dabei gewesen sein, aber wenn sie es waren, verstehen sie besonders gut…

Ein kompliziertes Ding.

Liebe ist ein verdammt komplitziertes und schwieriges Ding, wenn es nicht alles so gut zusammen kommt.
Die Beziehung zwischen Michael und Hanna ist genau das—kompliziert und schwierig. Klar ist es zu sehen, dass Michael sich schnell und stark in Hanna verliebt. Ich würde aber die Frage stellen, ob sie in ihn auch verliebt ist, oder ob sie ihn ausnutzt. Es könnte sogar eine Mischung sein: wir könnten vielleicht Beweise finden, die zeigen, dass Hanna sich irgendwann doch in Michael verliebt, zum Beispiel als sie denkt, dass er sie verlassen hat und sie ausflippt. In dem Moment kann der Leser sehen, dass ihr Jungchen ihr etwas bedeutet. Ich glaube aber nicht, dass das die Beziehung „gesünder“ macht.

vorleser 2

Da er minderjähring ist, wirft das auch einen Schatten über ihre Beziehung. Sie brechen das Tabu, und, meiner Meinung nach, leidet Michael deswegen. Wenn er volljährig wäre, hätte es am Ende zwischen ihnen vielleicht besser oder leichter sein können. Er hätte es besser verarbeiten können oder zumindest für sich selbst stehen. Sie nahm immer von ihm Besitz und gab ihm wirklich keine Freiheit in der Beziehung. Ich glaube, dass dieser Aspekt der Beziehung hätte anders sein können, wenn er älter wäre. Der grosse Altersunterschied muss ihnen nicht so schwer fallen, aber Michael ist kein erwachsener Mann und hat keine andere Erfahrung mit Frauen oder Sexualität und Liebe. Hanna prägt ihn für sein ganzes Leben. Gedanke und Erinnerungen von ihr infizieren seine anderen Beziehungen.

Zwei Leute aus „verschiedenen Welten“ (eine Frau, die mit den Nazis arbeitete und ein Junge, der noch nicht sicher ist, was er werden will) kommen zusammen und finden Vernügen in ein ander. Meiner Meinung nach sind sie am Anfang aus unterschiedlichen Gründe zusammen: Michael ist mit Hanna, weil er sich tatsächlich in sie verliebt und nichts Anderes kennt. Sie ist aber am Anfang mit ihm, weil sie eine Möglichkeit sieht und sich dafür interessiert. Erst später verliebt sie sich auch, und dann, auch wenn es zwischen ihnen dysfunktional oder gestört ist, bleiben sie zusammen, weil sie sich fürchten, ohne den Andern zu sein.

vorleser 1

Die Gedanke des schrecklichen Mädchens

„Was halten Sie von dem Verhalten von Sonja in dem Film? Würden Sie sich auch so verhalten? Warum? Warum nicht? Soll man schlafende Hunde wecken oder nicht?“

Eine kurze Szene als Einführung zum Thema:

(Der Bürgermeister runzelt die Stirn und faltet die Zeitung. Das Mädel sitzt unverschämt vor ihm. Früher gab es in dem Büro Paparazzi, aber jetzt sitzen die zwei alleine mit den Fragen.)

BÜRGERMEISTER: Also? Was möchten Sie dann sagen?
MÄDCHEN: Ich möcht‘ gar nichts sagen. Ich hab alles zum Bessern gemacht.
BÜRGERMEISTER: (wird böse) Zum Bessern?! Sie haben hier nur Mist gebaut, dass Sie alles wieder ans Tageslicht bringen!
MÄDCHEN: (stur) Die Wahrheit muss doch enthüllt werden! Dass sie verborgen wurde, ist komplett bescheuert!

(Sie streiten sich und werden immer lauter, bis es plötzlich jemand an die Tür klopft.)

BÜRGERMEISTER: …hereinspaziert…

(Die Sekretärin Mariah tritt ein.)

MARIAH: Entschuldigung. Ich wollte nur mal fragen, ob Sie noch was brauchen.
BÜRGERMEISTER: Eigentlich, ja. Ich brauche eine zweite Meinung.
MÄDCHEN: Das will ich auch nämlich hören. Sagen Sie mal, was halten Sie von der ganzen Sache?
MARIAH: (schweigt eine kurze Zeit) …Ich stimme ihr zu.
BÜRGERMEISTER: (brüllend, er steht auf) Sowas gibt’s in dieser Verwaltung, dass eine Sekretärin von mir dafür ist, dass der ganze Dreck von meiner Vergangenheit wieder auftaucht!
MARIAH: Naja! Aber ich stimme ihr trotzdem zu! Die Wahrheit muss sein. Die Menschen haben doch ein Recht zu wissen, wie die Zeit damals wirklich war! Ich hätte das auch ins Licht gebracht…Sonst lernen wir nie und die Zukunft könnte genau so schlecht werden.
MÄDCHEN: Das ist es genau.
BÜRGERMEISTER: Lassen Sie schlafende Hunde in Ruhe! Man muss sie nicht immer wecken!
MARIAH: Das ist ja feige.
MÄDCHEN: Die Vergangenheit müssen wir irgendwann doch verarbeiten, und das kann man nur machen, wenn man die Wahrheit im Blick hat.

(Der Bürgermeister setzt sich langsam hin. Die zwei Frauen verlassen das Zimmer. Der Mann bleibt jetzt allein mit seiner Vergangenheit in einer Hand und der Wahrheit in der Anderen.)

–————–

Zu dem Thema „Vergangenheitsbewältigung“ gibt es viel zu diskutieren: ob es sich lohnt…ob es eine tief verwurzelte Eigenschaft der Kultur ist, Sachen auch Generationen später zu verdrängen…oder ob es überhaupt möglich ist, die Vergangenheit zu „bewältigen!“
Wie soll man durch Gewalt mit der Vergangenheit umgehen? Es gibt nichts Konkretes mehr zu „bewältigen“. Jedoch glaube ich, dass Menschen die Vergangenheit gesund verarbeiten können. Dazu brauchen sie aber den Mut.
Den Mut hatte Sonja im Film und Anna Rosmus im echten Leben. Ich möchte sagen, dass ich mich auch so verhalten würde, wenn es um die Wahrheit ging. Ich hätte mir um die Zukunt der Gesellschaft Sorge gemacht, wenn ich herausfand, dass ein wichtiger Teil der Vergangenheit versteckt wurde. „Wir müssen wissen, woher das kommt, damit wir wissen, wohin es geht!“
In dem Film kann man bei den Szene mit den Neonazis merken, dass Sonjas Kampf sich um etwas viel Grösser als sie und ihre Heimat ging: man soll Sonja und ihre Suche nach Fakten der Vergangenheit loben, denn sie schaffte das, woran Andere scheiterten, nämlich, sie fand in sich den Mut, die dunkele Vergangenheit ihrer lieben Heimat zu verarbeiten.
Andererseits müssen wir uns auch heutzutage Gedanke darüber machen, genau wie viel? oder wie oft? oder inwiefern? wir uns auf die schlimmste Zeit der Geschichte konzentrieren sollen. Natürlich müssen wir nicht vergessen, wie alles damals geschehen ist, aber eine neue Frage ist erschienen: „wann vergeht die Vergangenheit?“ Also wann dürfen wir ohne die Schuld unser Vorfahren leben? Die neue deutsche Generation muss sich nicht nur darum kümmern, dass sie die Vergangenheit gut „bewältigen“, sondern auch, dass sie die wirklich aufarbeitet, damit sie IHRE Kinder davon befreien kann. „Aufarbeiten“ und „verarbeiten“ in einem gesundlichen Sinn soll nie „vergessen“ heißen, aber es darf nicht mehr sein, dass die Vergangenheit die Welt beherrscht.

Referat-Material:
Der Begriff „Vergangenheitsbewältigung“ als deutsches Thema

Vergangenheitsbewältigung: die Aufarbeitung der Schuldgefühle und des Negatives und Verdrängtes in der Nachkriegzeit.

– „Erzählen ist heilsam, doch über Generationen hinweg wurde nicht über Kriegserlebnisse gesprochen. Wie viel Trauma hat sich so in unserer Psyche vererbt?…Wie viel Erster Weltkrieg, mit anderen Worten, schleppen die Deutschen hundert Jahre später noch in ihrer Psyche mit sich herum?“
-Jochen Bittner, Zeit.de, am 31. Juli 2014

– Der Begriff „Vergangenheitsbewältigung“ hat seine Wurzeln anscheinend im Schreiben des Historiker Hermann Heimpel

– „Das Wort ‚Vergangenheitsbewältigung‘ ist nach dem Zweiten Weltkrieg aufgekommen und zwar im Zusammenhang mit der Frage, wie die Deutschen mit ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit umgehen sollten…Was war mit diesem Wort gemeint?“ (Wertgen, S. 12)

– Das so ein Wort überhaupt gebraucht ist, zeigt, dass die Deutsche kein konkretes Ziel haben: „Die Rede von Vergangenheitsbewältigung beinhaltete nämlich alles andere als ein allgemein anerkanntes Konzept…Sie war viel mehr [eine] Thematisierung…Die Vokabel „Vergangenheitsbewältigung“ beschrieb einen Problembereich, gab aber selbst noch keine Antwort.“ (Wertgen, S. 12)

– Der Begriff bezieht sich nicht nur auf die Verarbeitung der Schuld und die Erinnerungen der Kriege, sonder auch auf die der DDR- und Stasi-Zeit.

– „Der Umgang mit Vergangenheit sei kein endlicher, sondern ein kontinuierlicher Prozess.“ (Wertgen, S. 14)

Anna Rosmus und „Das schreckliche Mädchen“

– Anna (Anja) Rosmus: das originale, lebendige Schreckliche Mädchen
-geboren 1960, Passau
– Tochter eines Schulleiter und einer Religionlehrerin, beide CSU-Mitglieder
-verheiratete ihren Mathematiklehrer nach dem Abitur
-Sie hatte schon einige Preise für ihre Aufsätze gewonnen
-Schrieb mit 20 Jahren den Aufsatz „Die Vorkriegsjahre in meiner Heimatstadt“…und zwar begannen die Probleme…
-Wohnt seit 1994 in den Staaten, „weil ich in den USA soviel mehr über den Holocaust in meiner Heimat erfahren kann als in Niederbayern selbst.“ -Anna Rosmus in Dem Spiegel, 14.10.1996

-Das Thema ihres Aufsätzes führte sie zur Recherche über die Stadt Passau, was zu einem Kampf gegen die Stadt führte: „Die Stadt Passau verschwor sich gegen eine Schülerin, die einen Aufsatz schreiben wollte.“ -Der Spiegel, 30.04.1984

-Der Film ist autobiographisch

-Gefilmt 1990 von Michael Verhoeven („Die weisse Rose“)
-gewann mehrere Auszeichnungen, einschliesslich des Silberen Bäres, des Deutschen Filmpreis, 1990, und „Best Film in a Foreign Language“
-wurde in München, Paris, und Passau gefilmt
-92 Minuten lang
-wurde 1991 in den Staaten laufen gelassen
-Plakate darfür durfte nicht in Passau aufgehängt werden

-Charaktere:
Lena Stolze als Sonja Wegmus-Rosenberger
Hans-Reinhard Müller als Dr. Juckenack
Monika Baumgartner als Sonjas Mutter
Elisabeth Bertram als Sonjas Großmutter
Michael Gahr als Paul Rosenberger
Robert Giggenbach als Martin Wegmus
Barbara Gallauner als Frau Juckenack

Quellen

The Nasty Girl (1990). IMDB. http://www.imdb.com/title/tt0100557/

„The Nasty Girl Still at Work.“ CBS News, April 3, 2000. http://www.cbsnews.com/news/nasty-girl- still-at-work/

Bittner, Jochen. „Wir Weltkriegsenkel : Erzählen ist heilsam, doch über Generationen hinweg wurde nicht über Kriegserlebnisse gesprochen. Wie viel Trauma hat sich so in unserer Psyche vererbt? Zeit, zu reden.“ Die Zeit, Juli 31 2014. http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2014- 07/weltkrieg-trauma-psyche-generationen

Broder, Henryk M. „Eine Art Säulenheilige: In Amerika wird Anja Rosmus als Expertin für den Holocaust herumgereicht, in Berlin erhält sie den Galinski-Preis.“ Der Spiegel, Oktober 14 1996. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-9105235.html

Das schreckliche Mädchen. Filmportal.de. http://www.filmportal.de/film/das-schreckliche- maedchen_3a21f61c84444206a724b5cb34abf1db

„Rechter Arm zittert: Die Stadt Passau verschwor sich gegen eine Schülerin, die einen Aufsatz schreiben wollte. Thema: Alltag im Nationalsozialismus.“ Der Spiegel, April 30 1984. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13510554.html
Strothmann, Dietrich. „Eine Passauer Passion: Wie die Studentin Anja Rosmus-Wenninger eine Stadt aufschreckte.“ Die Zeit, Dezember 14 1984. http://www.zeit.de/1984/51/eine-passauer- passion/komplettansicht

Vergangenheitsbewältigung. Wikipedia: Die freie Enzyklopädie. Wikimedia Foundation, Inc.Web. http://de.wikipedia.org/wiki/Vergangenheitsbewältigung

Wertgen, Werner. Vergangenheitsbewältigung Interpretation und Verantwortung ; ein ethischer Beitrag zu ihrer theoretischen Grundlegung. Paderborn; München [u.a.] 2001. Web. Seiten 12-14.

Dokumentar über Anna Rosmus:

Unsere Exposition

(Die Szene öffnet in einen Klassenzimmer, wo eine Unterrichtsstunde gerade zu Ende gekommen ist.

Einige Studenten bereiten sich auf ihre nächsten Kurse vor. Die Anderen reden zusammen und gehen nach Hause. Der Professor sammelt seine Papiere und geht in sein Büro, fertig für den Tag. Alle wissen, was sie bis die nächste Stunde erledigen müssen.

Szenewechsel: am nächsten Abend sitzen die Studenten zusammen im Zimmer. Eine drückt den Spielknopf bei dem Computer mit einem triumphierenden Seufzen—ENDLICH hat es mit der Technologie geklappt und der Film fängt an zu spielen. Sie setzt sich hun und die sechs werden ruhing, als der Filmtitel verschwindet und die Charaktere erscheinen.

Am Ende des Filmes strecken sich die Studenten und unterhalten sich einbisschen. Jetzt ist eine Aufgabe fertig gemacht, aber sie haben alle noch was vor: sie müssen einen Blog anfangen).

 

TUGBA: Der Film ist aber süss.

MARIAH: Ja, lustig aber typisch.

ANDY: Sehr…informativ.

JENNA: Ich weiss nicht, ob ich weinen oder lachen soll.

KAIJAII: Ich weine.

TOMMY: Wir müssen noch den Blog schreiben, oder? Über unseren Lieblingsfilm?

JENNA: Jaaa, und auch, über warum wir den Kurs gewählt haben.

ZUFÄLLIGER STUDENT: ….also…es gab doch keine andere Wahl, oder?

(MARIAH schlägt ihn leicht, nicht böse gemeint, auf den Schulter)
MARIAH: Naja, du hättest doch Business German oder so etwas Ähnliches wählen können, du!

TUGBA: Hey, macht keinen Stress. Also was ist denn dein Lieblingsfilm, Mariah?

MARIAH: Uh…ich sage immer „Ferris Bueller’s Day Off“, aber ich mag „Friendship!“ auch sehr.

EMMA: Was für ein Film ist „Friendship?“

JENNA: …“Ferris Bueller?“ Echt jetzt?

MARIAH: Tja, die sind doch gute Filme!

EMMA: Du magst Komödien.

MARIAH: Ja, ich habe sie gern. „Friendship!“ ist basiert auf eine wahre Geschichte. Der Film hat meinen Lieblingsschauspieler—also deutschen Schauspieler—und er ist lustig und man fühlt sich immer so glücklich danach. Das ist bei „Ferris Bueller“ genau so. Die Charaktere in beiden Filmen lernen von einander und entwickeln sich weiter, auch, wenn sie nur so eine kurze Spielzeit haben. Es gefällt mir, wenn eine Komödie auch eine tiefere Botschaft anbietet und nicht so komplett clischeehaft ist, und zwar finde ich die zwei Filme am besten.

ANDY: Werden wir uns viele Komödien im Kurs anschauen? Warum belegst du den Kurs wenn das nicht der Fall ist?

MARIAH: Also ehrlich gesagt finde ich Filme nicht so wichtig wie Theater, aber vielleicht kann ich meine Meinung ändern. Wisst ihr, Theater wird immer LIVE gespielt—die Schauspieler dürfen keine Fehler jeden Abend machen, es muss immer schon gut genug für ein Publikum sein. Und eine Show ist trotzdem jeden Abend ein bisschen anders als am Abend vorher. Das ist das Beste am Theater, dass es live, lebendig ist! Aber Filme…ich glaube schon, Filme wirken auf eine andere Art genau so wichtig für ein Publikum.

TOMMY: Also…du willst die zwei Kunstformen dann besser vergleichen können?

MARIAH: Vielleicht…

KAIJAII: Das ist doch blöd. Der Dr. Esa hat schon gesagt, man kann keine zwei verschiedene Kunforme mit einander gut vergleichen.

MARIAH: Nee, er hat gesagt, man MUSS das machen. Ich würde gerne mehr über Filme lernen—bestimmt mehr über deutsche Filme!—damit ich verstehen und schätzen kann, was sie unser Kultur anbieten.

(Die Anderen denken für ein paar Sekunden darüber nach)

JENNA: …Okay, cool, aber echt jetzt–“Ferris Bueller?“

MARIAH: Lass mich doch in Ruuuuuhhhhh.

ANDY: Ich mag „The Dark Knight“.

(Alle stimmen damit zu als sie sich verabschieden und nach Hause gehen, mit dem Lied vom Film noch im Ohr)

(Ende der ersten Szene).